Disclaimer
Alles hier Beschriebene sind nur unsere persönlichen Erfahrungen und Meinungen. Sie stellen keinen medizinischen Rat dar. Eine Anwendung der angegebenen Informationen, Empfehlungen, Ratschläge & Pläne erfolgt immer auf eigene Gefahr, Entscheidung und Verantwortung.
Wann geht es denn endlich los?
Über die Zeit hat sich unsere Geburtsüberwachung verfeinert. Dieses Jahr waren wir mit Überwachen der Messwerte und Kamera bei allen Geburten pünktlich im Stall. Wir sind rechtzeitig los gefahren und haben im Auto vor dem Stall auf der Kamera den Beginn der Geburt überwacht. Bei vier Stuten haben wir 3x genau den Tag der Geburt bestimmt und 1x haben wir zwei Nächte an der Kamera gewacht, da der Brix schon so hoch war. Bei zwei Stuten haben wir nur per Kamera zugeschaut, bei zwei Stuten mussten wir helfen.
Was wir alles überwachen und wie
- Die individuellen Werte je Stute (die Messwerte aller Jahre werden gesammelt)
- äußere Anzeichen
- Brix und pH der Milch (einige Tropfen vom Euter)
- Videoüberwachung und Geburtsmelder
Individuelle Werte der Stuten
Wir haben für jede Stute über die Jahre die individuellen Werte für Brix und pH gemessen und in entsprechende Diagramme eingetragen. Am Beispiel von Serjade ist gut zu erkennen, dass der Brix vor der Geburt die 20 Grad Marke überschreitet und der pH unter 6,5 fällt. Hier ist jedoch zu beachten, dass dies nur der „Normwert ist“. B’Elanna beispielsweise hält sich da nicht dran. Sie fohlt bei einem Brix von 10 und pH von 7. Also alles ist möglich. Der Vorteil für uns ist jedoch, dass wir auch bei B’Elanna die Eigenheiten unserer Stute gut kennen und somit trotzdem sehr genau den Beginn der Geburt bestimmen können.
Wir tragen in diese Tabelle auch alle Beobachtungen ein, z.B. ob die Stute Harztropfen hat oder nicht.

Äußere Anzeichen
Die Stute zeigt (meist) bereits Tage bevor das Fohlen kommt Anzeichen, dass sie sich auf die Geburt vorbereitet. So lockert sich die Muskulatur im Beckenbereich, das Euter beginnt zu wachsen, die Scheide wird länger und auch die Form des Bauches verändert sich.
Die Muskulatur im Bereich des Beckens wird weicher und wenn man mit der Hand um die Schweifrübe fährt fühlt es sich teilweise wie Pudding an. Es wirkt als ob der Po der Stute der Schwerkraft folgt, alles sackt nach unten und auch die Scheide wird länger. Die Stute bekommt Hosen. Wenn man die Stute über mehrer Tage beobachtet und auch mal Bilder und Fotos macht, kann man das gut nachverfolgen. Es gibt aber auch Stuten mit einer recht kräftigen Muskulatur, dann kann es auch sein, das keine dieser Anzeichen deutlich zu beobachten sind – wie bei B’Elanna 🙂
Schon bis zu 6 Wochen vorher kann das Euter anfangen zu wachsen, meist wird es dann in der Woche vor der Geburt deutlich größer. Bei Maidenstuten (Stuten, die ihr erstes Fohlen bekommen) kann das Euter aber auch erst nach der Geburt wachsen.
Viele Stuten bilden kleine Harztropfen, die sehen wei Harz von einem Baum aus und kleben an der Zitze des Euters. Die können ganz klein sein, oder auch bis 5mm groß. Wenn die Stute so große Harztropfen hat, kann man mit einer zeitnahen Geburt rechnen. Manche Stuten haben aber auch gar keine Harztropfen.
Sehr gut zu beobachten ist die Lage des Fohlens im Bauch. Weit vor der Geburt sehen die Stuten häufig mehr Breit als Hoch aus. Direkt vor der Geburt dreht sich das Fohlen im Normalfall aus der Rückenlage in eine „knieende“ Position und die Vorderbeine sind schon Richtung Scham gestreckt. Der Kopf liegt dann auf den Vorderbeinen. Dann sieht die Stute von hinten mit einem mal wieder ganz schlank aus. Das passiert so ca. 1-3 Tage vor der Geburt.

Im folgenden Video ist das gut zu erkennen.
Bei Problemgeburten mit Lagefehlern kann die Stute natürlich trotzdem noch „breit“ aussehen, daher ist aus unserer Sicht auch hier die Überwachung der Messwerte sicherer. Wenn die Stute aber eindeutige Werte für eine Geburt zeigt – aber immer noch der Bauch von beiden Seiten deutlich zu sehen ist würde ich auf alle Fälle mit dem Tierarzt vereinbaren, dass er in Bereitschaft ist.
Da wir 20 Minuten vom Stall weg wohnen, möchten wir uns recht sicher sein, wann das Fohlen kommt. Daher Messen wir die folgenden Werte.
Brix (Zuckergehalt) – Messung
Gemessen wird mit einem Refraktometer. Die gibt es für ca. 20 €. Von einer Zitze (ich nehme immer die gleiche) wird ein kleiner Tropfen Milch auf die Messfläche des Refraktometers ausgestrichen. Dafür wird die durchsichtige Klappe aufgeklappt und die Milch auf die Fläche aufgetragen. Stuten, die bereits ein Fohlen hatten haben auch immer etwas Milch bereits vor der Geburt. Bei Maidenstuten ist das deutlich schwieriger, aber nicht unmöglich.
WICHTIG: es geht nur um ein, zwei Tropfen. Die Stute soll nicht gemolken werden, das kann im schlimmsten Fall zu einer Mastitis führen.
Bevor ich die durchsichtige Klappe schließe um den Zuckergehalt abzulesen tunke ich bereits den pH Streifen in den Tropfen. Vorsicht, nicht alles aufsaugen, auch hier reicht ein Tröpfchen.
Der Zuckergehalt der Milch steigt vor der Geburt an, da das Kolostrum deutlich gehaltvoller ist. Normalerweise liegt der Wert unter 10. Vor der Geburt steigt er über 20 (bei den meisten Stuten sogar über 24) – ab hier wird es spannend. Bei unseren erfahrenen Stuten steigt der Brix am Tag der Geburt auf über 24. Ansonsten kann mit hoher Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass das Fohlen innerhalb von 48 h kommt.
Es gibt auch Ausnahmen: B’Elanna fohlt bei einem Brix von 10.
Die Geburt kann von der Stute verzögert werden (z.B. witterungsbedingt) und sie kann auch vorher beginnen (z.B. bei Komplikationen). Der Brix kann zwischendurch auch wieder fallen. Daher ist dieser Wert nur als Anhaltspunkt für eine normale Geburt zu betrachten. Ab einem Brix >20 überwache ich auf jeden Fäll enger. Im Normalfall steigt der Brix kurz vor der Geburt recht schnell und die Nachtwachen sollten 1-2 Nächte nicht übersteigen.
Refraktometer und pH Messstreifen Am Tag der Geburt wird die Milch „milchig“ davor ist sie eher klar alles ruhig alles ruhig – bei diesem Wert gehen wir noch beruhigt schlafen
AUSSER bei B’Elanna 🙂heute (oder morgen) kommt ein Fohlen Höchstwerte
PH – Messung
Der pH-Wert wird mit Messstreifen und etwas Milch gemessen. Ein Tropfen genügt. Meist nehme ich die Flüssigkeit, die noch auf dem Refraktometer ist, isb. Maidenstuten haben meist noch nicht wirklich ein Euter und da versuche ich so wenig wie möglich am Euter zu manipulieren. Kurz vor der Geburt kommt die Milch aber bei erfahrenen Stuten schon üppig genug. Wie gesagt, es soll nur etwas Milch ausgestrichen werden, auf keinen Fall versuchen zu Melken.
Bei pH <6,5 (<7) wird es interessant. Die meisten Stuten bekommen ihr Fohlen bei einem pH von ca. 6,2. Das Fohlen kommt hier meist auch innerhalb von 24-48 h.
Am besten eignen sich pH Messstreifen mit einem Messbereich von 5,6 bis 8. Andere gehen auch, sind aber manchmal schwerer abzulesen.
Auch hier hängt es von anderen Faktoren ab, ob die einzelne Stute sich daran hält. Manche Stuten lassen auch mit einem Brix von 5,8 das Fohlen noch ein paar Tage drin, manche bekommen ihr Fohlen bei einem pH von ca. 7. Die Summe der Faktoren (Beobachtung des Körpers, Verhalten, etc.) ist hier entscheidend.
alles ruhig hier kommt ein Fohlen
Temperatur und Calcium
Direkt vor der Geburt sinkt die Temperatur im Normalfall um ca. 0,5 Grad. Dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Geburt in der selben Nacht relativ groß. Meine Fohlen haben sich bisher immer für eine Nachtgeburt entschieden, daher kann ich zu einer Tagesgeburt nichts sagen.
Da die Pferde durch Bewegung, Außentemperatur, Aufregung etc. schwankende Körpertemperaturen haben, haben wir die Temperaturmessung nicht weiter verfolgt.
Die Messung des Calciums in der Milch haben wir mal probiert, dazu wird aber viel mehr Milch benötigt und wir hatten keinerlei Mehrwert zum pH. Daher haben wir uns auch gegen diese Methode entschieden.
Überwachung per Kamera
Wir haben uns eine Kamera mit Sim Karte (Reolink Go) besorgt, die wir ca. 2 Wochen vor der Geburt im Stall anbringen. Dann schauen wir auch schon immer mal wie die Stute schläft, einige sind Seitenschläfer – andere ruhen eher aufrecht.
Wenn wir wissen, dass die Geburt in dieser Nacht los geht wird die ganze Zeit auf die Kamera geschaut und sobald die Stute anzeigt, dass es bald los geht fahren wir zum Stall. Dazu muss man aber die Stuten und auch das Verhalten vor der Geburt gut kennen. Wenn möglich ist es optimal, wenn man in der Nähe des Stalls wohnt oder dort schlafen kann.
Früher hatte ich eine Kamera, die nur am Stall funktioniert hat. Da habe ich tatsächlich bis zu 10 Tage im Stall geschlafen. Gott sei dank kam da aber auch nur ein Fohlen pro Jahr, denn schon nach einer Geburt war ich damals Urlaubsreif.

Überwachung per Geburtsmelder
Wir haben einen Geburtsmelder (Equileck) den wir als wir noch keine Kamera hatten sehr gut genutzt haben. Wir haben mittels der Messmethode die Nächte eingegrenzt wann wir den Gurt drauf gemacht haben.Damals hatten wir auch nur eine Kamera ohne SIM, die nur im Stall funktioniert hat. Leider sind einige Stuten Seitenschläfer und dann wird man ohne Grund angerufen und die Nächte sind kurz.
Mit Messen und SIM-Kamera verzichten wir auf den Gurt, da wir die ganze Zeit auf die Kamera sehen. Unsere Fohlen sind auch häufig vor 24 Uhr gekommen, das war schon fasst Luxus.
Wenn nur ein Gurt zur Verfügung steht und keine Kamera ist zu beachten, dass der Gurt erst meldet wenn die Geburt bereits begonnen hat. Dann sehen meist schon die Füßchen raus. Für uns wäre das viel zu spät, dann erst in den Stall zu fahren. Diese Form der Überwachung sollte nur verwendet werden, wenn man direkt am Stall schläft.